29. Juli 2014 Goch

 

Die DAG und Kloster Graefenthal schauen nach Indien

Im Rahmen einer Vortragsveranstaltung der „Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.“(DAG) Regionalkreis Niederrhein auf Kloster Graefenthal wurde das Thema „Indien nach den Wahlen: Politische und wirtschaftliche Herausforderungen der neuen Regierung“ von Prof. Dr. Joachim Betz des German Institute of Global and Area Studies (GIGA), Hamburg einer tiefgehenden Betrachtung unterzogen.
Zunächst fanden sich jedoch die über 100 Gäste nicht wie erwartet im Refektorium des Klosters wieder, sondern in einem eigentlich für eine Hochzeitsfeier aufgestellten Festzelt. Der Umzug war nötig geworden weil die Temperatur im Kloster einen erträglichen Ablauf der Veranstaltung nicht zugelassen hätte. Die Gäste dankten dem Förderverein und dem Betreiber für die recht angenehme Ersatzlösung mit Beifall und konzentrierter Aufmerksamkeit.

Prof. Dr. Joachim Betz stieg auch seinem Naturell entsprechend forsch und wortgewandt in die The-matik ein. Die Darstellung einiger statistischer Daten machte auch dann direkt nachdenklich. So wächst Indien in jedem Jahr um ca. 11 Mill. Menschen, was in etwa der Bevölkerung der Niederlande entspricht. Um diese demografische Dimension wirtschaftlich in den Griff zu bekommen, ist ein Wachstum von 7 % (!) erforderlich. Wenngleich dieses Wachstum momentan gegeben ist, bleibt die zukünftige Herausforderung jedoch offensichtlich.
„Indien tut sich schwer auf dem Wirtschaftssektor zeitgemäß zu werden“, erklärt Prof. Dr. Joachim Betz. Bürokratie und der Hang zu tradierten, amtlichen Genehmigungswegen, machen eine moderne schnelle Unternehmensgründung zunichte. So sind 28 Einzelgenehmigungen vonnöten um eine Baugenehmigung zu erhalten. Hierüber können bis zu 7 Jahre verstreichen.
Außenpolitisch ist Indien weitestgehend aus eigener Verursachung isoliert. „Man traut dem Nach-barn nicht“, auch wenn es in letzter Zeit einige Lockerungen im Verkehr- und Zollwesen zu verzeichnen gab.
Die neue Regierung unter Premier Narendra Modi geht die Herausforderungen an, aber Hochgeschwindigkeitsleistungen sind eher nicht zu erwarten. Dass das Kastensystem hierfür verantwortlich ist, wie aus dem Zuhörerkreis vermutet, weist Prof. Dr. Joachim Betz eindringlich zurück.
Indien wird in naher Zukunft, allein schon wegen seines Bevölkerungswachstums ein maßgeblicher „Player“ werden. Im Anschluss an den sehr kurzweiligen Vortrag überreichte der 2. Vorsitzende des Fördervereins Kloster Graefenthal e.V., Michael K. Urban, der wenige Minuten später zum neuen Leiter des Regionalkreises Niederrhein der DAG berufen wurde, ein Buch über die Geschichte des Klosters und ein Weinpräsent an den Redner, der mit anhaltendem Beifall verabschiedet wurde.