27.01.2015 Kalkar

Der Westen muss auf Russland zugehen – Russland-Kenner referierte zur Situation in der Ukraine

KALKAR. „Was will Russland?“ – diese Frage versuchte der erste Wintervortrag des neuen Jahres am 27. Januar 2015 in der von-Seydlitz-Kaserne Kalkar mit Blick auf die Krise in der Ukraine zu beantworten. Eingeladen zu diesem Vortrag hatten der Kommandeur des Zentrum Luftoperationen, Generalleutnant Joachim Wundrak, und der Regionalkreis Niederrhein der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, mit ihrem Regionalleiter, Oberstleutnant a. D. Michael Urban. Als Referenten hatten die beiden Veranstalter den Publizisten Dr. Christian Wipperfürth gewinnen können. Wipperfürth, der selber an der Universität St. Peterburg gelehrt hatte, gilt als ausgewiesener Russland-Kenner und Experte für das Riesenreich im Osten. Fast 350 Gäste waren zu dem Vortrag erschienen. Unter anderem konnte Generalleutnant Wundrak den Uedemer Bürgermeister Rainer Weber, den ersten Bürger aus Weeze, Ulrich Francken, und den Kreis Klever Landtagsabgeordneten Holter Ellerbrock auf dem Beginenberg begrüßen.

Am Ende seiner Ausführungen zeichnete der Referent ein eher düsteres Bild, als er sich davon überzeugt zeigte, „dass der Höhepunkt der Krise in der Ukraine noch nicht erreicht ist.“ Zwar verurteilte Dr. Christian Wipperfürth den aggressiven Kurs des russischen Präsidenten Wladimir Putin, jedoch machte er auch keinen Hehl daraus, dass er durchaus Verständnis für die verletzte russische Seele habe. „Auch der Westen hat Fehler gemacht, als die Lage in der Ukraine zusehends eskalierte“, so Wipperfürth. Statt auf Distanz zu gehen hätte der Westen vielmehr die Nähe Russlands suchen sollen. Als das wichtigste Ziel der russischen Regierung sieht der Referent eindeutig die Frage der NATO-Mitgliedschaft der Ukraine: „Diese will Russland unter allen Umständen verhindern.“ Russland, so führte Wipperfürth weiter aus, verfolge den Kurs eines schwachen Zentralstaates mit starken Regionen. „So bekommen die pro-russischen Regionen im Osten der Ukraine die Möglichkeit sich an Russland zu binden“, so der Referent. Dem Westen empfiehlt Dr. Wipperfürth Gesprächsbereitschaft gegenüber Russland zu zeigen: „Nur gemeinsam kann die innere Spaltung der Ukraine aufgehalten werden.“ Ein Beharren auf die jeweils eigenen Extrempositionen werde nur zu weiterem Leid und kontinuierlich steigenden Verlusten an Menschenleben führen. Das Anstreben von Kompromissen wie auch das Verständnis für die Emotionen der anderen Seite stelle eine realistische Chance für einen Ausweg aus der tragischen Lage dar.

Zahlreiche Fragen aus dem Publikum gab es für Dr. Christian Wipperfürth nach dem Vortrag noch zu beantworten. „Dieser Abend hat Appetit auf eine Fortsetzung unserer Wintervortragsreihe gemacht“, so Generalleutnant Wundrak bei der Verabschiedung des Gastes aus Berlin. Am 17. März 2015 endet die Veranstaltungsreihe des laufenden Winterhalbjahres mit einem Vortrag zur Situation im Nahen Osten.

Text: Oberstabsfeldwebel Klaus Sattler
Fotos: Leutnant Christopher Troost