Vortragsveranstaltung in Aachen

Rüdiger Lentz, Direktor des Aspen Institutes Deutschland, beim Regionalkreis Aachen

„Brauchen wir einander noch? Die transatlantischen Beziehungen in Zeiten von NSA-Affäre und Ukraine-Krise“

In einer gemeinsam mit der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik durchgeführten Veranstaltung, thematisierte der Regionalkreis Aachen der Deutschen Atlantischen Gesellschaft am 20. August die aktuellen Probleme in der deutsch-amerikanischen Partnerschaft. 130 interessierte Mitglieder und Gäste folgten der Einladung in das Aachener Offizierheim Gut Neuhaus.

Rüdiger Lentz, ist der erste Deutsche, der das renomierte Aspen Institute Deutschland als geschäftsführender Direktor führt, das in Kürze seinen 40. Geburtstag feiert.

Durch den NSA-Skandal sei viel Vertrauen in die Amerikaner verloren gegangen, konstatierte Lentz. Jedoch sei die Debatte dies- und jenseits des Atlantiks von unterschiedlichen Erwartungen und sehr verschiedenen Sicherheitskulturen geprägt. Dass Staaten einander ausspionierten sei kein Novum, auch Deutschland investiere viel Geld in seine Nachrichtendienste. In den Vereinigten Staaten bestehe seit den Terroranschlägen vom 11. September ein extrem hohes Sicherheitsbedürfnis und größte Nachsicht gegenüber den Aktivitäten der Sicherheitsbehörden. In Deutschland dagegen prägen die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts noch immer das Verhältnis zu Themen wie Datenschutz und staatlicher Überwachung.

Lentz, der seine journalistische Karriere beim Spiegel startete und später die Büros der Deutschen Welle in Brüssel und Washington leitete, machte im Folgenden deutlich, dass die USA – trotz der aktuellen Beschädigungen des transatlantischen Verhältnisses – weiterhin der wichtigste Verbündete für Deutschland und Europa seien. Er gab sich optimistisch, dass verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden könne, insbesondere, wenn Gespräche künftig auf Augenhöhe geführt würden und sich die Einsicht einstelle, dass Deutschland fortan nicht mehr „Junior-Partner“, sondern einer der wichtigsten europäischen Verbündeten Amerikas sei.

Trotz des strategischen Fokus der USA in Richtung Pazifik und des Bemühens, auch mit dieser Region ein Freihandelsabkommen abzuschließen, dürfe man nicht vergessen, dass Europa, weiterhin mit Abstand, der wichtigste Handelspartner Amerikas sei. Daran anknüpfend kritisierte Lentz die verzerrte Darstellung des Transatlantischen Freihandelsabkommens (TTIP) in der öffentlichen Debatte. So profitiere Europa nicht weniger, sondern mehr von einem transatlantischen Freihandelsabkommen als die USA, da der amerikanische Markt wesentlich abgeschotteter sei als der europäische. Der Eindruck, TTIP sei von den Europäern politisch nicht gewollt, könne somit höchstens mit einem immer wieder präsenten und jetzt wieder wachsenden Antiamerikanismus erklärt werden, jedoch nicht mit ökonomischen Tatsachen.

Die titelgebende Leitfrage der Veranstaltung „Brauchen wir einander noch?“ wurde von Rüdiger Lentz zusammenfassend klar mit „ja“ beantwortet. In der anschließenden ausführlichen Diskussion mit den Zuhörern überzeugte Lentz auch aufgrund seiner langjährigen transatlantischen Erfahrung. In kleinen Gesprächsrunden setzte sich die Diskussion nach dem offiziellen Teil noch bis tief in die Nacht fort.

Fazit des Aachener Regionalleiters der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, Burghard von Reumont: Eine Werbung für die Notwendigkeit und die Vorteile der transatlantischen Zusammenarbeit, darüber hinaus eine Werbung für die Deutsche Atlantische Gesellschaft!

 

Text: Andreas Haaf