Veranstaltung in Bad Windsheim

Landes- und Bündnisverteidigung unter neuen Vorzeichen?

Die Terminplanung hätte besser nicht sein können: Nur einen Tag nach dem Nato-Gipfel von Wales fanden am 06. September 2014 im Kongresszentrum des mittelfränkischen Bad Windsheim die „Gespräche zur Sicherheits- und Verteidigungspolitik“ statt. Eingeladen hatten die Deutsche Atlantische Gesellschaft und das Landeskommando Bayern, das mit fast 100 Reserveoffizieren seiner Bezirks- und Kreisverbindungskommandos einen großen Teil der Teilnehmer stellte. Die hohe Resonanz konnte niemanden überraschen: Mit Bundesminister Christian Schmidt und dem (derzeit wehrübenden) bayerischen Innenminister Joachim Herrmann, war für ein überaus hochkarätiges Podium gesorgt.

Als Impulsgeber für den erfrischend lebhaften dreistündigen Meinungsaustausch diente Generalleutnant a.D. Kersten Lahl, der Leiter des Forums München. Die Hauptbotschaft seines Vortrages lautete: Europa steht mit den jüngsten Ereignissen in seinem Osten einerseits (Ukraine und Russland) und vor seiner südlichen Haustür andererseits (Irak und Syrien) mitten in einer Art Zeitenwende. Ein „Weiter so“ in einer seit Ende des Kalten Krieges bemerkenswert strategiearmen Sicherheitspolitik darf es daher nicht geben. Vielmehr muss jetzt so manche bisherige Richtungsentscheidung auf den strengen Prüfstand einer neuen Lagebeurteilung. Eine eindeutige Prioritätenverlagerung zielt dabei auf die nachhaltige Fähigkeit zur solidarischen Bündnisverteidigung. Vor dem Hintergrund knapper Mittel ist daher insbesondere eine klare Entscheidung erforderlich, was von den Streitkräften künftig sinnvollerweise verlangt werden kann und wo notfalls Lücken hinzunehmen oder im vernetzten Ansatz durch andere sicherheitspolitische Instrumente zu schließen sind.

Der Kommandeur des Landeskommando Bayern, Brigadegeneral Helmut Dotzler, der die Aufgaben der territorialen Landesverteidigung beschrieb, fand in diesem Zusammenhang seine Bemühungen um eine zukunftsfähige Reservistenarbeit im Bayern durch alle Redner auf dem durch Christiane Rodenbücher moderierten Podium uneingeschränkt gewürdigt.

 

Text: Michael Simon