Kleve 12.04.2015: China – was ist dort anders?

Zur Klärung dieser Frage lud der Regionalleiter Niederrhein, Michael K. Urban, der Deutschen Atlantischen Gesellschaft (DAG) in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Internationale Begegnungen Kleve (GIB) in die Wasserburg Rindern ein.

Im Rahmen der traditionellen Sonntag-Morgen-Gespräche der Kooperation folgten zahlreiche Gäste den Ausführungen des Referenten Bernd Westermann. Dieser hatte sich sein Wissen in insgesamt anderthalb Jahren Aufenthalt in China, als Gast chinesischer Familien und Schulen angeeignet. Seither hat er die Sprache erlernt und war an zahlreichen Partnerschaftsveranstaltungen beteiligt. Im Berufsleben war er als Mathematiker am LvD-Gymnasium Kempen und bei der Bezirksregierung Düsseldorf tätig.

Der Vortrag zielte deutlich auf die historische und kulturelle Entwicklung Chinas ab und war gespickt mit anschaulichen Beispielen aus dem täglichen Leben. Westermann stellte zunächst dar, dass China mittlerweile seit mehr als 2200 Jahren als Staat existiert. Diese Information, so banal sie auch klingen mag, erhielt erst ihre Aussagekraft durch den Vergleich im europäischen Raum, wo wir auf durchweg sehr junge Staatsformen zurückblicken. Interessant hierbei war für die Zuhörer, dass trotz zweier bedeutender Besetzungen Chinas durch die Mongolen und Mandschuren die Kultur deshalb erhalten blieb, weil letztlich die Eroberer sie übernahmen.

Einen wesentlichen Beitrag zur Integration übernahm die Schrift. Zur Erklärung dieser Aussage benutzte Westermann die Darstellung einer einfachen Addition. Natürlich konnte jeder die Zahlen lesen und verstehen. Ähnlich verhält es sich bei der nicht-phonetischen Schrift der Chinesen. Das Lesen dieser Zeichen war allen Gebildeten möglich, gleich welche(n) Sprache/Dialekt sie sprachen.

Eine weitere besondere Bedeutung für das kulturelle Verständnis haben die Lehren und die Ethik des Konfuzius. Diese Ethik versucht der Gesellschaft eine harmonische Ordnung zu geben. Grundgedanken hierbei sind die Selbstkultivierung, die hierarchische Ordnung und der Wille zu lernen. Dementgegen stehen die Chinesen den Religionen sehr pragmatisch gegenüber. Sie bewerten die Religionen nach ihrem Nutzen und akzeptieren sie deshalb. Einen inneren Antrieb aus Religion verspüren sie nicht.

Heftiges Erstaunen verursachte Westermann, als er erklärte warum die Chinesen in ihrer Administration so sehr erstarren. Er führt dies auf die überaus strengen Beamtenprüfungen zurück. Diese verlangen dem Prüfling enorme Leistungen ab, die sich im Wesentlichen aber auf die Literatur beziehen. So sagt Westermann, dass China über Jahrhunderte hinaus mehr von Literaten als von Politikern, Wissenschaftlern oder Fachleuten geführt wurde. Eine ähnliche Ausnahmesituation stellt die alljährliche auf zwei Tage veranschlagte Universitätsaufnahmeprüfung (Gaokao) dar. Sie entscheidet bei Tagesform über Wohl und Wehe eines jungen, intelligenten Menschen, so dass man sagt: „The gaokao can make or brake your life“.

Eine weitere bestimmende Größe Chinas ist, dass es sich, obwohl die Fähigkeiten und Instrumente hierfür vorhanden waren, kaum geografisch ausgeweitet hat und ausweiten wollte. Westermann stellte allerdings auch dar, dass die Annexion Tibets und anderer Regionen sowie die andauernde Auseinandersetzung mit der Republik China (Taiwan) dem Land den Ruf einer autoritären Diktatur einbrachten.

Nach dem mit anhaltendem Beifall bedachten Vortrag moderierte der Regionalleiter der DAG, Michael K. Urban, eine angeregte Fragerunde, die auch noch während des anschließenden Mittagessens fortgesetzt wurde. Dr. Kurt Kreiten, selbst einige Male in China gewesen, bedankte sich bei dem Referenten für den guten Vortrag und die auch für ihn vielen neuen Erkenntnisse.