General a. D. Dr. Klaus Reinhardt referierte zum Tag der Deutschen Einheit in Kalkar

General a. D. Dr. Klaus Reinhardt referierte zum Tag der Deutschen Einheit Zeitreise in ein Stück deutscher Geschichte

Kalkar. Es war eine Zeitreise, eine Reise in ein aufregendes Stück deutscher Geschichte. General a. D. Dr. Klaus Reinhardt, 2001 als Viersterne-General in den Ruhestand versetzt worden, war zwischen 1988 und 1990 als Stabsabteilungsleiter für Planung mit verantwortlich für die Zusammenführung der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee (NVA). Anlässlich des Festvortrages zum Tag der Deutschen Einheit referierte Reinhardt vor über 250 Gästen kürzlich in der von-Seydlitz-Kaserne Kalkar. Er war damit einer Einladung des Kommandeurs Zentrum Luftoperationen, Generalleutnant Joachim Wundrak, gemeinsam mit der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, die durch ihren Regionalleiter, Oberstleutnant a. D. Michael Urban, vertreten wurde, gefolgt.

festvortrag-kommandeur„Ich hatte mich wirklich gefragt, ‚ob das wohl klappt‘?“ Mit diesen Worten drückte General Wundrak am Ende des Vortrages aus, wie lebhaft die Ausführungen von General a. D. Reinhardt waren, und wie sehr er seine Zuhörer mit auf diese Reise in das Jahr 1990 genommen hatte. Die zahlreichen Gäste, unter ihnen die beiden Garnisonsbürgermeister, Dr. Britta Schulz aus Kalkar und Rainer Weber aus Uedem, die Landtagsabgeordneten Margret Voßeler, Dr. Günther Bergmann und Holger Ellerbrock, sowie 50 Schülerinnen und Schüler des Berufskolleg Geldern und des Collegium Augustinianum Gaesdonck Goch, spendeten dem Referenten nach seinem Vortrag lang anhaltenden Applaus.

Eine Zusammenführung von Bundeswehr und NVA sei zu Beginn des Einheitsjahres 1990 nie ein Thema gewesen, so General Reinhardt: „Selbst als im Frühsommer die Einheit immer konkreter wurde, waren wir immer noch von einer Kooperation ausgegangen.“ Eine mögliche Zusammenführung sei erst für das Jahr 1995 als Ziel ausgegeben worden. Erst als Bundeskanzler Helmut Kohl die Sowjetunion in der Frage einer Einbindung eines vereinten Deutschlands in die NATO auf seine Seite bringen konnte, wurde auf einmal auch eine Zusammenführung der beiden deutschen Armeen ein Thema. Das war im August 1990. „Um diesen gigantischen Prozess zu bewerkstelligen blieben also nicht einmal zwei Monate Zeit“, so Dr. Reinhardt in seinen Ausführungen. Viele Fragen, wie der Umgang mit Munition, die Übernahme und spätere Aussonderung des Materials oder die Ausstattung mit Uniformen mussten geklärt werden. Das kritischste aber, so Reinhardt, sei der Umgang mit den Menschen gewesen. „Wir müssen den Soldaten der Nationalen Volksarmee auf Augenhöhe begegnen“, so der General zu seiner damaligen Gefühlslage. Arrogant und mit einer Siegermentalität aufzutreten wäre aus seiner Sicht fatal gewesen: „Es hat aber auch im Militär durchaus kritische Stimmen gegeben, die sich eine Kooperation mit einer kommunistischen Armee nicht vorstellen konnten.“

festvortrag-saal„Den Auftrag der politischen Bildung für meine Soldaten habe ich damit ausgeführt“, freute sich Generalleutnant Wundrak nach dem Vortrag, als er General Reinhardt mit einem Gastgeschenk aus Kalkar verabschiedete. Beide zeigten sich beeindruckt vom regen Interesse gerade der jungen Schüler aus Goch und Geldern. „Sie“, so General Wundrak, „sind die Zukunft unseres Landes.“ Dieser Zukunft widmeten sich der aktive als auch der ehemalige General in zahlreichen Gesprächen beim Empfang nach dem Vortrag – ‚Selfies‘ mit den Smartphones der Jugendlichen inbegriffen.