Die NATO ist verteidigungsbereit – Dr. Karl-Heinz Kamp am 17.11.2016 in Kalkar

Kalkar. Welche Ergebnisse brachte der NATO-Gipfel von Warschau im Sommer, wie muss sich das Verteidigungsbündnis für die Herausforderungen der Zukunft aufstellen, und welche Antworten muss es auf die russische Aggression in Osteuropa geben? Viele Fragen und Antworten, die zum Teil nur sehr vage zu geben sind. Dr. Karl-Heinz Kamp, Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) gab jede Menge Denkanstöße, und lieferte viel Stoff für Diskussionen beim Auftakt zur Wintervortragsreihe in der von- Seydlitz-Kaserne Kalkar. Gemeinsam hatten zu diesem ersten Vortrag des laufenden Winterhalbjahres der Kommandeur des Zentrum Luftoperationen, Generalleutnant Joachim Wundrak, und der Regionalleiter Niederrhein der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, Oberstleutnant a. D. Michael Urban, eingeladen. Über 300 Gäste, darunter auch die Stellvertretenden Bürgermeister aus Kalkar, Oberstabsfeldwebel a. D. Günter Pageler, und Uedem, Maria Ingenerf, sowie der Landtagsabgeordnete Dr. Günter Bergmann, waren der Einladung auf den Kalkarer Beginenberg gefolgt. Auch knapp 40 Schüler des Berufskolleg Geldern waren unter den Gästen.

„Russland ist natürlich beunruhigt, weil die NATO immer näher an die eigenen Grenzen heranrückt“, versuchte Dr. Kamp durchaus die russischen Befindlichkeiten zu verstehen. Aber: „Russland hat Grenzen in Europa gewaltsam verändert“, so der Referent mit Blick auf die Annexion der Krim. Ein solches Szenario schien vielen in Europa lange Zeit undenkbar. Aber nicht nur der schwelende Konflikt östlich des Bündnisgebietes macht dem Präsidenten der BAKS Sorgen – auch die Entwicklung an den südlichen Grenzen Europas sei sehr bedenklich. Im Nahen Osten und in Nordafrika habe eine dauerhafte Erosion von Staaten eingesetzt. „An Stelle von Staaten treten Milizen und Terrorgruppen wie der Islamische Staat“, so Dr. Kamp. Solchen Bedrohungen zu begegnen sei sehr schwer, weil Antworten wie Diplomatie oder Wirtschaftssanktionen hier ohne Wirkung blieben.

Ein wichtiges Ergebnis des NATO-Gipfels in Warschau war für den Gast aus Berlin das Signal Richtung Russland. „Die NATO hat klar gezeigt, dass man willens und in der Lage ist sich gegen jede Aggression zu verteidigen“, so Dr. Kamp. Es gäbe jedoch noch zahlreiche Herausforderungen für das Verteidigungsbündnis. Eine spannende Frage sei nach dem überraschenden Wahlausgang in den Vereinigten Staaten die Entwicklung der Transatlantischen Beziehungen. Aber auch den asiatisch-pazifischen Raum dürfe man nicht aus den Augen verlieren, so der Referent zum Abschluss seines Vortrages.

Zahlreiche Fragen gab es für Dr. Karl-Heinz Kamp nach dem Vortrag noch zu beantworten, viele seiner Ausführungen wurden noch ausgiebig diskutiert – das Publikum war zufrieden und spendete dem Referenten lang anhaltenden Applaus. Vom Gastgeber Generalleutnant Wundrak gab es ein Gastgeschenk, und die Erkenntnis, dass die sicherheitspolitischen Herausforderungen für die NATO nicht kleiner geworden sind.

Text: Oberstabsfeldwebel Klaus Sattler
Fotos: Hauptgefreiter Sebastian Wassenberg

 

Einen Bericht der Veranstaltung in der Presse finden Sie hier. und hier.